Welche Laufwerke gehören dazu?
Spyglass ist die Laufwerksfamilie in den dicken 2,5-Zoll-Festplatten von Western Digital mit 3, 4 und 5 TB. Sie steckt in fast jeder WD My Passport und WD Elements Portable dieser Größen, außerdem in der easystore Portable. Das Gehäuse ist dann etwas dicker als bei den 1- und 2-TB-Modellen, weil das Laufwerk selbst 15 mm hoch ist.
Auf dem Etikett beginnt die Modellnummer mit WD30N…, WD40N… oder WD50N… (z. B. WD40NMZW, WD50NDZW). Entscheidend ist der Teil nach dem Bindestrich: Er sagt, welche Generation der Familie verbaut ist – Spyglass, Spyglass 2 oder Spyglass 3. Für die Arbeit im Labor ist das wichtig, denn Köpfe und Elektronik der Generationen sind untereinander nicht austauschbar.
Was steckt technisch drin?
Zwei Besonderheiten machen diese Familie anspruchsvoller als eine normale Festplatte:
Die Platine ist gleichzeitig der USB-Anschluss. Es gibt keinen SATA-Anschluss und keinen separaten Adapter im Gehäuse – der USB-Controller sitzt direkt auf der Laufwerksplatine. Bei der My Passport werden die Daten dort zusätzlich per Hardware-AES verschlüsselt, auch wenn der Kunde nie ein Passwort gesetzt hat. Der Schlüssel ist an diese Platine gebunden. Wer sie austauscht oder „ausbaut und an den PC hängt“, sieht nur noch unlesbare Daten.
SMR-Aufzeichnung. Die Spuren überlappen sich wie Dachziegel. Das Laufwerk führt intern eine Übersetzungstabelle, wo welcher Datenblock tatsächlich liegt, und puffert Schreibvorgänge in einem Zwischenbereich (Media Cache). Geht diese Verwaltung kaputt, sind die Daten physisch oft noch vollständig vorhanden, aber das Laufwerk findet sie nicht mehr.
Typische Defekte
Kopfdefekt nach Sturz. Der häufigste Fall bei mobilen Platten: Die Platte fällt im laufenden Betrieb, ein Kopf setzt auf. Danach klackert sie, piept oder läuft an und stoppt wieder. Jeder weitere Startversuch kann die Oberfläche zerkratzen. Mehr dazu: Kopfdefekt.
Übersetzungstabelle beschädigt (SMR-Translator). Das Laufwerk wird erkannt, zeigt aber 0 Byte, fordert zum Formatieren auf oder hängt beim Zugriff minutenlang. Häufig nach einem Stromausfall oder abgezogenem Kabel während des Schreibens. Mehr dazu: SMR-Translator-Fehler.
Beschädigte USB-Buchse oder Platine. Abgebrochene Micro-B-Buchse, Kurzschluss durch falsches Netzteil oder Kabel. Weil die Platine den Schlüssel trägt, ist eine Reparatur der Originalplatine fast immer besser als ein Tausch. Mehr dazu: USB-Platine und Verschlüsselung.
Schleichende Lesefehler. Das Laufwerk wird immer langsamer, Kopieren bricht ab. Hier zählt jede Betriebsstunde: Je früher die Platte vom Strom kommt, desto mehr lässt sich retten.
Was Sie nicht tun sollten
- Keine Ersatzplatine aus dem Internet aufstecken – ohne die Originalplatine sind die Daten einer My Passport nicht zu entschlüsseln.
- Das Laufwerk nicht aus dem Gehäuse ausbauen, um es „direkt“ anzuschließen: Es gibt keinen SATA-Anschluss.
- Bei Klacken oder Piepen nicht weiter einstecken und neu versuchen.
- Kein Chkdsk, kein Formatieren, keine Reparatur-Software bei 0 Byte oder RAW-Anzeige – das überschreibt genau die Verwaltungsdaten, die wir für die Rettung brauchen.
So arbeiten wir bei dieser Familie
Spyglass-Laufwerke gehören zu den häufigsten Fällen in unserem Labor. Spender für alle drei Generationen halten wir im eigenen Lager vor – passende Köpfe müssen nicht erst bestellt werden, das spart in der Regel mehrere Tage.
Bei der My Passport arbeiten wir grundsätzlich mit der Originalplatine: Ist sie beschädigt, reparieren wir sie, statt sie zu ersetzen, damit die Entschlüsselung erhalten bleibt. Bei Kopfdefekten tauschen wir die Köpfe im Reinraum gegen ein passendes Spenderset derselben Generation. Die Daten werden immer zuerst vollständig auf ein Laborlaufwerk kopiert und erst dann ausgewertet – am Original wird nicht „repariert“.
Vor der Bezahlung bekommen Sie eine Liste der geretteten Dateien und können prüfen, ob die wichtigen Ordner dabei sind.