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Glossar

Disketten und Superdisketten: von 8 Zoll bis LS-240

, Laborleiter ·

Eine Diskette (englisch floppy disk) ist eine dünne, biegsame Magnetscheibe in einer Hülle aus Kunststoff. Gelesen und beschrieben wird sie in einem Diskettenlaufwerk (FDD, floppy disk drive). IBM hat die Diskette Anfang der 1970er Jahre erfunden. Von Mitte der 1970er bis Ende der 1990er Jahre war sie das wichtigste Medium, um Software zu verteilen, Daten auszutauschen und Sicherungen zu machen – auf IBM-PCs ebenso wie auf Apple II, Macintosh, Commodore 64, Atari ST und Amiga. Vor billigen Festplatten wurde oft sogar das Betriebssystem von Diskette gestartet.

Anfang der 1990er Jahre brauchten große Programme wie Windows oder Photoshop schon ein Dutzend Disketten und mehr. Dann übernahmen CD-ROM, Zip, später USB-Sticks und das Internet.

Die klassischen Formate

Format Typische Kapazität Zeitraum
8 Zoll 80 KB bis 1,2 MB 1970er Jahre
5,25 Zoll 160 KB bis 1,2 MB ca. 1976 bis Mitte 1990er
3,5 Zoll DD 720 KB ab Mitte 1980er
3,5 Zoll HD 1,44 MB ab 1987, bis in die 2000er
3,5 Zoll ED 2,88 MB selten, frühe 1990er

Die Angabe „1,44 MB“ ist übrigens eine Mischrechnung: Formatiert fasst eine HD-Diskette 1.474.560 Byte, also 1.440 × 1.024 Byte. Das sind 1,47 Millionen Byte oder 1,41 MiB. Wer eine Festplatte auf Disketten sichern wollte und mit 1,44 Millionen Byte pro Stück gerechnet hat, lag deshalb leicht daneben.

Schreibschutz: Bei der 3,5-Zoll-Diskette gibt es eine Schiebelasche. Ist das Fenster offen, ist die Diskette schreibgeschützt. Das Laufwerk prüft das mechanisch, Software kann es nicht umgehen.

Exoten

2-Zoll-Diskette (Video Floppy). Ende der 1980er Jahre für Standbild-Videokameras entwickelt, etwa die Sony Mavica und die Canon Xapshot. Die Bilder wurden analog gespeichert, 25 Bilder pro Diskette im Frame-Modus oder 50 im Feld-Modus. Der Laptop Zenith Minisport nutzte 1989 dasselbe Medium digital mit 720 KB. Durchgesetzt hat es sich nicht, die Medien waren zu teuer.

4-Zoll-Diskette. IBM entwickelte Mitte der 1980er Jahre eine 4-Zoll-Diskette. Die Anwender wollten aber Standards, das Produkt kam nie auf den Markt.

Superdisketten

Mitte der 1990er Jahre versuchten mehrere Hersteller, die Diskette mit mehr Kapazität zu retten. Der Trick: Spurmarkierungen auf der Scheibe, nach denen die Köpfe präziser geführt werden.

Flextra (1988). Brier Technology brachte mit dem BR3020 ein Laufwerk mit 21,4 MB heraus, kurz darauf den BR3225 mit doppelter Kapazität, der auch normale 3,5-Zoll-Disketten las.

Floptical (1991). Insite Peripherals positionierte die Köpfe mit einer Infrarot-LED über optische Markierungen in der Oberfläche. Ein Medium fasste 21 MB, normale DD- und HD-Disketten konnte das Laufwerk ebenfalls lesen. Angeschlossen wurde es über SCSI. Für das Betriebssystem war es deshalb eine Festplatte, starten konnten die meisten PCs davon nicht. Insite vergab Lizenzen an andere Hersteller, daraus entstand das LS-120.

LS-120 und LS-240 SuperDisk (ab 1995). Matsushita (Panasonic) und Imation brachten die SuperDisk mit 120 MB auf den Markt, später LS-240 mit 240 MB. Das Laufwerk las und schrieb auch normale 1,44-MB-Disketten, spätere Versionen schrieben sogar 32 MB auf eine normale Diskette. Die Laufwerke galten als wenig zuverlässig. Viele Mainboards bieten LS-120 trotzdem bis heute als Startoption an. Im Jahr 2007 haben wir im Labor erfolgreich Daten von einem LS-240-Medium gerettet.

Sony HiFD (1997). Sonys Antwort mit 150 MB. Kurz nach dem Start musste Sony das Produkt wegen Leistungs- und Zuverlässigkeitsproblemen zurückziehen. 1998 kam eine verbesserte Version mit 200 MB, aber der Markt gehörte inzwischen dem Zip-Laufwerk.

Caleb UHD144 (1998). 144 MB pro Medium und kompatibel mit 1,44-MB-Disketten. Langsamer als die Konkurrenz, dafür waren die Medien billiger.

Siehe auch: Zip-Laufwerk.

Datenrettung von Disketten

Disketten altern: Die Magnetschicht löst sich, die Scheiben werden feucht oder schimmeln, der Abrieb verschmutzt die Köpfe. Gefährlich ist es, eine verschimmelte Diskette einfach ins Laufwerk zu stecken – der Kopf schleift die Schicht ab und überträgt den Schimmel auf die nächste Diskette.

Wir reinigen solche Medien vor dem Lesen, setzen sie bei Bedarf in eine neue Hülle um und lesen sie mit eigenen Laufwerken als Rohabbild. So lassen sich auch Disketten mit fremden Formaten (Atari, Amiga, CP/M, alte Messgeräte) auswerten. In den allermeisten Fällen lassen sich die Daten retten. Mehr dazu: Bänder und Altsysteme und Datenkonvertierung.

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