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Glossar

Datenrettung: Was der Begriff bedeutet und wie sie funktioniert

, Laborleiter ·

Als Datenrettung (englisch data recovery) bezeichnet man das Wiederherstellen von Daten, die auf normalem Weg nicht mehr zugänglich sind. Betroffen sein können Festplatten, SSDs, USB-Sticks, Speicherkarten, RAID-Systeme, Bänder, Disketten, Zip-Medien, CDs und DVDs. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Schäden: logische und physische. Oft kommen beide zusammen vor.

Logische Schäden

Der Datenträger funktioniert technisch, aber die Verwaltungsstrukturen des Dateisystems sind beschädigt oder Dateien wurden gelöscht. Typische Ursachen:

  • versehentliches Löschen oder Formatieren
  • Stromausfall oder abgezogenes Kabel während des Schreibens
  • Fehler im RAID-Controller oder Treiber, Systemabsturz
  • Viren und Ransomware
  • Neuinstallation des Betriebssystems über die alten Daten

Anzeichen sind fehlende Ordner, Partitionen als „RAW“, Aufforderungen zum Formatieren oder Ordner, die sich endlos ineinander wiederholen.

Physische Schäden

Der Datenträger selbst ist defekt: Köpfe, Motor, Elektronik, Firmware, Speicherchips. Bei CDs und DVDs ist die Schicht verkratzt oder zersetzt, Bänder können reißen oder kleben. Einen physischen Schaden kann ein Anwender in aller Regel nicht selbst beheben. Wer eine Festplatte außerhalb eines Reinraums öffnet, bringt Staub auf die Scheiben und macht die Rettung schwerer oder unmöglich.

Auch Tricks aus dem Internet – die Festplatte ins Tiefkühlfach legen, sie anklopfen oder die Scheiben von Hand andrehen – richten fast immer zusätzlichen Schaden an. Wir raten davon ab.

Wie ein Labor vorgeht

  1. Diagnose: Elektronik, Firmware und Mechanik prüfen, bei Bedarf das Laufwerk im Reinraum öffnen.
  2. Zugang herstellen: Platine reparieren oder Speicherbausteine samt Adaptivdaten auf eine Spenderplatine übertragen, Köpfe tauschen, Firmware reparieren, bei SSDs und Speicherkarten Chips auslesen.
  3. Abbild erstellen: Mit speziellen Imaging-Systemen wird jeder lesbare Sektor auf ein gesundes Laufwerk kopiert, schonend und Kopf für Kopf. Ab hier wird nur noch mit der Kopie gearbeitet.
  4. Logische Rekonstruktion: Aus dem Abbild werden Dateisystem und Dateien rekonstruiert. Bei RAID-Systemen kommt das virtuelle Zusammensetzen des Verbunds hinzu.
  5. Kontrolle und Übergabe: Liste der geretteten Dateien, Prüfung, Übergabe auf einem neuen Datenträger.

Bei einfachen Fällen entfallen einzelne Schritte. Bei einem rein logischen Schaden reicht oft ein Abbild und die Rekonstruktion.

Nicht jedes Klacken bedeutet einen Kopfschaden. Häufig ist nur die Firmware im Service-Bereich oder auf der Platine beschädigt. Ist sie repariert, ist das Laufwerk wieder lesbar.

Warum Reparaturprogramme gefährlich sein können

Programme wie chkdsk unter Windows, fsck unter Linux oder das Festplattendienstprogramm von macOS prüfen die Struktur des Dateisystems und „reparieren“ Widersprüche. Dabei gehen sie davon aus, dass der Datenträger technisch in Ordnung ist. Bei einem schwachen Kopf oder vielen defekten Sektoren schreiben sie auf ein sterbendes Laufwerk und belasten es stark. Und sie löschen Einträge, die sie nicht zuordnen können – oft genau die Dateien, die man retten wollte.

Spezialisierte Datenrettungsprogramme gehen anders vor: Sie verändern nichts, sondern durchsuchen den gesamten Datenträger nach Resten des Dateisystems und nach bekannten Dateisignaturen. Das ist langsamer, funktioniert aber auch, wenn die Verwaltungsstrukturen fast völlig zerstört sind. Voraussetzung ist ein technisch gesunder Datenträger oder ein Abbild davon. Eine Übersicht gängiger Programme finden Sie unter Datenrettung mit Software.

Vorbeugen

Journaling-Dateisysteme wie NTFS, ext4, XFS oder APFS reduzieren logische Schäden nach Stromausfällen, ersetzen aber kein Backup. Für Server und NAS sind eine unterbrechungsfreie Stromversorgung und RAID-Controller mit Pufferbatterie sinnvoll. Am wichtigsten bleibt eine regelmäßige Datensicherung.

Wenn es trotzdem passiert ist: Datenträger nicht mehr benutzen und keine Programme starten. Unsere Leistungen nach Datenträger finden Sie unter Datenrettung.

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