Research
Scheibentausch: den Scheibenstapel umsetzen, ohne dass er verrutscht
Roland Block, Laborleiter ·

Manchmal ist nicht der Kopf das Problem, sondern der Motor: Er blockiert, das Lager ist festgefressen, oder das Gehäuse ist verzogen. Dann müssen die Scheiben mitsamt ihren Daten in ein anderes Laufwerk. Das Entscheidende dabei: Die Scheiben dürfen sich gegeneinander nicht um einen Bruchteil eines Millimeters verdrehen. Dafür gibt es eigenes Werkzeug.
Warum die Scheiben nicht verrutschen dürfen
Eine Festplatte mit mehreren Scheiben schreibt ihre Spuren auf alle Oberflächen gleichzeitig. Im Werk werden die Scheiben zusammen auf den Motor gesetzt, ausgerichtet und erst dann beschrieben – einschließlich der Servo-Informationen, an denen sich die Köpfe orientieren. Die Lage der Scheiben zueinander ist damit Teil der Daten.
Verschiebt sich auch nur eine Scheibe gegenüber den anderen, passen die Spuren der Oberflächen nicht mehr zusammen. Die Köpfe finden ihre Position nicht, das Laufwerk lässt sich nicht mehr lesen, und im schlimmsten Fall ist die Rettung vorbei. Einzelne Scheiben von Hand umzusetzen ist deshalb bei Laufwerken mit mehreren Scheiben keine Option.
Das Werkzeug
Das Werkzeug wird auf die Motornabe gesetzt und greift den gesamten Stapel. Ein Zentrierstift richtet es exakt auf die Achse aus, Klemmbacken halten die Scheiben und die Abstandsringe dazwischen fest zusammen. So lässt sich der Stapel als ein Block abheben und in einem anderen Laufwerk wieder aufsetzen.
Ablauf
Alle Schritte finden in der Reinraumwerkbank statt. Vorher ist geklärt, welches Spenderlaufwerk passt: gleiches Modell, gleiche Bauform des Motors und der Kopfeinheit.
- Laufwerk öffnen. Der Deckel wird abgenommen, der Zustand von Scheiben und Köpfen geprüft.
- Köpfe abnehmen. Die Kopfeinheit wird mit einem Kopfkamm geparkt und ausgebaut, damit beim Abheben der Scheiben kein Kopf die Oberfläche berührt.
- Werkzeug zentrieren. Die Klemmschraube der Motornabe wird gelöst, das Werkzeug aufgesetzt und über den Zentrierstift auf die Achse ausgerichtet.
- Stapel fixieren und abheben. Die Klemmbacken greifen die Scheiben, der ganze Stapel wird gerade nach oben vom Motor gehoben.
- In das Spenderlaufwerk setzen. Im vorbereiteten Spenderlaufwerk ist der eigene Stapel bereits entfernt. Der Stapel wird aufgesetzt und mit der Nabenklemmung fest verschraubt, erst dann wird das Werkzeug gelöst.
- Köpfe einsetzen und auslesen. Die Kopfeinheit – die eigene oder eine passende Spenderkopfeinheit – wird mit dem Kopfkamm eingesetzt. Danach wird das Laufwerk geschlossen und sektorweise ausgelesen.








Köpfe ein- und ausbauen
Für die Kopfeinheit gilt dasselbe Prinzip: Die Köpfe dürfen sich beim Aus- und Einbau weder berühren noch an die Scheibenkante stoßen. Ein Kopfkamm wird zwischen die Kopfarme geschoben und hält sie auseinander, solange die Einheit außerhalb des Laufwerks ist. Erst wenn die Köpfe über ihrer Parkposition stehen, wird der Kamm wieder herausgezogen.



Wann ein Scheibentausch nötig ist
- Der Motor läuft nicht an, brummt oder piept, und die Platine ist in Ordnung.
- Das Lager ist nach einem Sturz festgefressen.
- Das Gehäuse ist nach einem Sturz, Brand oder Wasserschaden verzogen.
- Ein Kopf klebt auf der Scheibe und hat den Motor beim Anlaufen blockiert.
Was Sie selbst tun können: nichts. Ein blockiertes Laufwerk immer wieder einzuschalten, schadet dem Motor und den Köpfen. Schalten Sie es ab und lassen Sie es im Labor ansehen.
Ein Laufwerk, das nicht mehr anläuft? Rufen Sie uns an unter 030-44041476 oder beschreiben Sie den Fall über das Anfrageformular.