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Fachartikel

2,5-Zoll-Festplatten für Notebooks: welche Hersteller, welche Schwächen (2004)

, Laborleiter ·

Dieser Artikel stammt aus dem Juni 2004. Modelle und Kapazitäten entsprechen dem damaligen Stand. Eine englische Fassung finden Sie unter Choosing a 2.5" laptop hard drive.

Immer mehr Anwender steigen vom Desktop-PC auf ein Notebook um. Die Auswahl ist groß: vom einfachen Gerät mit Intel Celeron bis zur mobilen Workstation mit 64-Bit-Prozessor von AMD. Ab Werk steckt meist eine Festplatte mit 20 bis 120 GB im Gerät, in einigen Modellen auch zwei.

In diesem Artikel geht es darum, welche 2,5-Zoll-Festplatte man für ein Notebook wählen sollte. Am bekanntesten sind in diesem Formfaktor IBM, Hitachi (das 2003 die Festplattensparte von IBM übernommen hat), Fujitsu und Toshiba. Weniger verbreitet sind Seagate, Samsung und Western Digital. Andere Hersteller sind uns bei Notebook-Festplatten nicht begegnet, abgesehen von alten Laufwerken von Quantum, Integral und Conner.

Wie oft welche Hersteller in Notebooks stecken, zeigt unsere eigene Statistik aus vier Jahren Reparatur von Notebooks und Notebook-Festplatten (Tabelle 1). Eine Auswertung nach Notebook-Marken (RoverBook, iRU, Toshiba, Acer, Fujitsu-Siemens, IBM, Dell, Samsung, Sony, ASUS, NEC, HP/Compaq) ergibt leicht andere Zahlen, aber dasselbe Bild (Tabelle 2).

Hersteller Tabelle 1: Anteil in unserer Werkstatt Tabelle 2: Anteil nach Notebook-Marken
Hitachi + IBM* 56 % 47 %
Fujitsu 14 % 20 %
Toshiba 12 % 15 %
Seagate 10 % 12 %
Samsung 4 % 5 %
Western Digital 4 % 1 %

* Hitachi und IBM sind zusammengefasst, weil Hitachi die Festplattensparte von IBM übernommen hat.

Die Hersteller im Überblick

Samsung

Samsung bietet die Serie SpinPoint M an, intern M40 genannt: M für mobil, 40 für 40 GB pro Scheibe. Die Serie umfasst vier Modelle von 30 bis 80 GB (MP0302H, MP0402H, MP0603H, MP0804H) mit 5.400 U/min und 8 MB Cache. Mittlere Zugriffszeit und maximale Übertragungsrate liegen auf dem Niveau der WD Scorpio.

Toshiba

Toshiba gilt traditionell als einer der führenden Hersteller von Notebook-Festplatten und baut Laufwerke in 0,85, 1,8 und 2,5 Zoll. Die Garantie beträgt allerdings nur ein Jahr. Aktuell sind die Serien GAS und GAX auf dem Markt. Sie unterscheiden sich vor allem in der Drehzahl (4.200 bzw. 5.400 U/min) und im Cache (8 bzw. 16 MB).

  • GAS: MK6025GAS (60 GB), MK8025GAS (80 GB), MK1031GAS (100 GB)
  • GAX: MK2023GAS (20 GB), MK3031GAS (30 GB), MK4026GAX (40 GB), MK6022GAX und MK6026GAX (60 GB), MK8026GAX (80 GB)

Für alle aktuellen Toshiba-Laufwerke gibt der Hersteller 12 ms mittlere Zugriffszeit und bis zu 100 MB/s Übertragungsrate an.

Fujitsu

Fujitsu baut Laufwerke mit 4.200 U/min (Serien MHV2…AT, MHT2…AT, MHU2…AT) und mit 5.400 U/min (MHV2…AH, MHV2…BH, MHT2…AH, MHT2…BH) von 20 bis 120 GB. Die MHT-Reihe reicht von 20 bis 80 GB, die MHU-Reihe besteht nur aus einem 100-GB-Modell, die MHV-Reihe aus Modellen von 40 bis 80 GB. Angegeben sind 12 ms Zugriffszeit und 100 MB/s.

Hitachi

Hitachi ist bei Notebook-Festplatten wohl der größte Hersteller. Es gibt zwei Linien:

  • Endurastar mit den Familien J4K30, J4K20, N4K20 und N4K30, jeweils mit 20 und 30 GB.
  • Travelstar mit vielen Familien: 7K100 und E7K100 (je sechs Modelle mit 60, 80 und 100 GB, wahlweise PATA oder SATA), 7K60, E7K60 (40 und 60 GB), 5K100 (acht Modelle von 40 bis 100 GB), E5K100, 5K80 (20 bis 80 GB), 4K120 (40 bis 120 GB), 4K80 (30 bis 80 GB), 4K40 (20 bis 40 GB) und 80GN (20 bis 80 GB).

Die kürzeste Zugriffszeit haben die 7200er-Familien mit 11 ms. Die erste Ziffer im Familiennamen steht für die Drehzahl: 7 = 7.200, 5 = 5.400, 4 = 4.200 U/min. Bei den Travelstar-Modellen zeigt der viertletzte Buchstabe die Schnittstelle: P für PATA, S für SATA.

So liest man eine Hitachi-Modellnummer, am Beispiel HEJ423030F9AT00 (30 GB):

Teil Bedeutung
H Hitachi
E Endurastar (T = Travelstar)
J Familie J4K30
42 4.200 U/min
30 größte Kapazität der Familie (30 GB)
30 Kapazität dieses Modells (30 GB)
F Generation
9 Bauhöhe 9,5 mm
AT Schnittstelle PATA (S = SATA)
00 sonstige Kennung

Seagate

Seagate bietet drei Serien an:

  • Momentus 4200 mit 60 bis 100 GB (ST960821A, ST980821A, ST9100822A), 8 MB Cache, 12,5 ms Zugriffszeit, 100 MB/s.
  • Momentus 5400 und Momentus 5400.2 mit 30 bis 120 GB, als PATA (ST93811A, ST94813A, ST96812A, ST98823A, ST9100824A, ST9120821A) und als SATA-150 mit NCQ (dieselben Nummern mit „S“ am Ende). Die beiden Serien unterscheiden sich kaum. Die erste ist für Anwender gedacht, die Wert auf Vertraulichkeit legen: Die Festplatte verschlüsselt die gespeicherten Daten selbst. Die 5400.2 arbeitet ohne Verschlüsselung.
  • Momentus 7200.1 mit 7.200 U/min, 8 MB Cache und 60 bis 100 GB, ebenfalls als PATA (ST96023A, ST980825A, ST910021A) und SATA mit NCQ. Mit 10,5 ms Zugriffszeit ist sie die schnellste Notebook-Festplatte, die wir kennen.

Klare Pluspunkte von Seagate: fünf Jahre Garantie und die Wahl zwischen PATA und SATA.

Western Digital

WD bietet die Scorpio mit 40 bis 80 GB und 5.400 U/min an. Es gibt sechs Modelle: WD400UE, WD600UE und WD800UE mit 2 MB Cache sowie WD400VE, WD600VE und WD800VE mit 8 MB. Am sechsten Zeichen der Modellnummer erkennt man also den Cache. WD bewirbt Technologien wie Whisper Drive mit SoftSeek, ShockGuard und DuraStep Ramp. Die Leistung ist ordentlich: 12 ms und 100 MB/s, wie angegeben.

Was wir im Labor sehen

Am häufigsten landen bei uns, wie die Tabellen zeigen, Hitachi-Laufwerke zur Reparatur oder Datenrettung, vor allem Modelle mit „ATMR“ in der Bezeichnung (Familie 80GN). Das liegt aber nicht nur an der Qualität, sondern auch an der Verbreitung: Die 30- und 40-GB-Modelle dieser Familie stecken in fast jedem vierten Notebook.

Bei der Leistung liegt die Seagate Momentus 7200.1 mit 10,5 ms vorn. Hitachi gibt für die Travelstar mit 7.200 U/min 10 ms beim Lesen und 11 ms beim Schreiben an, beide sind also ungefähr gleich schnell. Vergleicht man die Herstellerangaben, kommt man zu einem einfachen Schluss: Alle aktuellen Laufwerke mit gleicher Drehzahl und gleichem Cache sind praktisch gleich schnell. Die Leistung ist deshalb kein sinnvolles Auswahlkriterium.

Worauf es bei der Auswahl ankommt

1. Kapazität. Die größte Auswahl haben Seagate (30 bis 120 GB), Fujitsu (20 bis 120 GB) und Hitachi (20 bis 120 GB). Toshiba endet bei 100 GB, WD und Samsung bei 80 GB.

2. Zuverlässigkeit und Reparierbarkeit. Auf Notebooks liegen immer öfter sehr wichtige Daten. Zuverlässigkeit lässt sich ehrlich nur über große Stückzahlen beurteilen. Aus der Praxis wissen wir: Am zuverlässigsten sind die kleineren Modelle einer Serie mit weniger Köpfen. Genauso wichtig ist, wie das Notebook die Wärme der Festplatte abführt. Laufwerke mit 7.200 U/min werden deutlich wärmer als solche mit 5.400 U/min. Je wärmer die Festplatte, desto höher das Risiko eines Ausfalls, und bei Überhitzung sind die Schäden meist fatal: verbogene Köpfe in der Parkposition, Köpfe, die auf der Oberfläche festkleben, oder ein festgefressener Spindelmotor.

3. Energieverbrauch. Je niedriger, desto länger hält der Akku.

Die typischen Schwächen

Verbogene Köpfe beim Parken. Das ist wohl der häufigste fatale Defekt bei Notebook-Festplatten. Die Köpfe werden beim Ausschalten auf eine Rampe aus Kunststoff gefahren. Bei Wärme dehnt sich die Kopfeinheit aus Metall stärker aus als der Kunststoff. Die Hersteller haben dafür eine Reserve eingeplant, aber in der Praxis reicht sie oft nicht. Dann gleitet der Kopf nicht sauber in die Parkposition oder bleibt hängen. Beim nächsten Start versucht der Aktuator, ihn mit aller Kraft herauszuziehen, und verbiegt ihn. Am anfälligsten dafür sind die Laufwerke von Hitachi. Bei Toshiba und Fujitsu sehen wir solche Kopfschäden deutlich seltener.

Kratzer durch die Köpfe bei Toshiba. Toshiba-Laufwerke leiden dafür häufig an Oberflächenschäden durch die magnetoresistiven Köpfe. Bei Wärme beginnen die Köpfe die Oberfläche anzukratzen. Das führt zu radialen Kratzern (in der Werkstatt sagen wir „Crash-Spuren“) oder zu einzelnen Bad Blocks.

Passwort ohne Zutun des Anwenders. Toshiba-Laufwerke setzen manchmal spontan ein ATA-Passwort. Dieses Passwort enthält oft Zeichen, die man auf einer normalen Tastatur gar nicht eingeben kann. Bei Hitachi kommt das ebenfalls vor, aber deutlich seltener.

Fujitsu. Viele Anwender sind gegenüber Fujitsu skeptisch, seit vor ein, zwei Jahren die Probleme mit der Serie MPG bekannt wurden (siehe unseren Artikel Die rätselhafte Fujitsu-MPG-Serie). Ich halte das zum Teil für übertrieben. Ähnliche Massenausfälle gab es zur gleichen Zeit bei Quantum Fireball Plus AS, bei der IBM-Serie DTLA (und später AVVA), bei Maxtor D540X-4K und Maxtor Athena. Meiner Meinung nach hing das damit zusammen, dass die Hersteller gerade auf 20 GB pro Scheibe umstiegen – und der erste Versuch ging oft schief. Deshalb erwarte ich ein ähnliches Schicksal für die neue Barracuda 7200.8.

Die Notebook-Festplatten von Fujitsu sind dagegen am wenigsten anfällig für mechanische Schäden. Ihre Schwäche haben sie wohl von den 3,5-Zoll-Modellen geerbt: Oft gehen Teile der Serviceinformationen verloren. Dann „vergisst“ das Laufwerk seine Kapazität oder meldet eine riesige, falsche Größe, wird im BIOS falsch erkannt oder klopft mit den Köpfen. Für einen erfahrenen Techniker ist die Wiederherstellung solcher Laufwerke oder der Daten darauf meist keine große Sache.

Western Digital und Samsung. Hier würde ich mit dem Kauf noch warten. Beide Hersteller haben bei Notebook-Festplatten wenig Erfahrung. Wir hatten bereits Samsung M40 mit defekter Elektronik und WD Scorpio, die munter mit den Köpfen klopften.

Seagate Momentus. Beim Energieverbrauch sind alle Laufwerke inzwischen ähnlich, die Seagate Momentus 5400.2 liegt etwas vorn und wird auch deutlich weniger warm als andere Laufwerke dieser Klasse. Allerdings sehen wir bei der ganzen Momentus-Reihe recht oft einen ärgerlichen Defekt: einen beschädigten Sektor 0, meist zusammen mit einigen Bad Blocks auf der Oberfläche. Gut ist, dass es kein mechanischer Schaden ist – die Daten lassen sich ohne aufwendige Verfahren retten.

Fazit

Nimmt man Energieverbrauch, Auswahl an Kapazitäten und Zuverlässigkeit zusammen, liegt die Seagate Momentus vorn, auch wegen der fünf Jahre Garantie. Danach würde ich Fujitsu wählen, erst dann Hitachi und Toshiba.

Entscheidend ist, wie das Notebook genutzt wird:

  • Steht es auf dem Schreibtisch, womöglich unter einem Stapel Papier, wird es warm. Dann ist Fujitsu die beste Wahl.
  • Ist es viel unterwegs und ständig Erschütterungen ausgesetzt, sind Toshiba oder Hitachi mit 4.200 U/min besser, weil sie Stöße gut vertragen.
  • Arbeitet es ruhig im Büro als Ersatz für einen Arbeitsplatzrechner und wird kaum bewegt, passt eine große Hitachi.

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