Research
Maxtor DiamondMax Plus 9: zerstörten Service-Bereich aus der versteckten Reserve wiederhergestellt
Roland Block, Laborleiter ·
Eine Geschichte aus der Anfangszeit des Labors – gut 20 Jahre alt. Bei der Maxtor DiamondMax Plus 9 war der Service-Bereich oft so stark beschädigt, dass das Laufwerk nicht mehr startete. Gerettet hat uns damals eine fast vollständige Reservekopie der Service-Informationen, die der Hersteller versteckt auf dem Laufwerk abgelegt hatte – und ein Selbstscan, den wir rechtzeitig angehalten haben.
Das Fehlerbild
Die DiamondMax Plus 9 und ihre Vorgängerin, die DiamondMax Plus 8, gehörten Anfang der 2000er Jahre zu den meistverkauften Festplatten. Sie hatten eine bekannte Schwäche: Module im Service-Bereich – dem reservierten Bereich auf den Scheiben, in dem die Firmware und die Betriebsdaten des Laufwerks liegen – wurden beschädigt oder blockierten.
Für den Kunden sah das so aus: Das Laufwerk lief an, meldete sich im BIOS aber mit einem falschen Namen, manchmal mit einem Buchstaben „Z“ am Ende der Modellbezeichnung, und zeigte keine oder eine falsche Kapazität. An die Daten kam man nicht mehr heran. Mit Software lässt sich so ein Fehler nicht beheben – das Laufwerk kommt gar nicht so weit, dass ein Programm die Daten lesen könnte.
Die versteckte Reserve
Leichte Schäden ließen sich reparieren, indem man einzelne Module neu schrieb. Bei schweren Zerstörungen fehlte aber zu viel: Übersetzungstabelle, Defektlisten und Konfiguration waren gleichzeitig beschädigt.
Hier half eine Eigenheit dieser Laufwerke. Neben dem aktiven Service-Bereich gab es eine versteckte Kopie der Service-Informationen, die dem Original fast vollständig entsprach. Im normalen Betrieb wurde sie nicht benutzt und war von außen nicht zu sehen. Mit den passenden Befehlen konnte man das Laufwerk aber dazu bringen, mit dieser Reservekopie zu starten.
Der Selbstscan – und warum er abgebrochen werden musste
Startete das Laufwerk mit der Reserve, lief es noch nicht normal. Die Reservekopie war ein Stand aus dem Werk, nicht der aktuelle Zustand des Laufwerks. Um daraus einen funktionierenden Service-Bereich zu bauen, startete das Laufwerk seinen eigenen Selbstscan – das Prüfprogramm, das auch in der Fertigung lief.
Genau da lag die Gefahr. Der Selbstscan baut zuerst die Service-Informationen neu auf. Danach läuft er aber weiter, prüft die Oberfläche und formatiert dabei den Benutzerbereich – also genau die Daten, um die es ging.
Die Lösung war, das Skript des Selbstscans so zu ändern, dass es direkt nach dem Neuaufbau der Service-Informationen abbricht und nicht weiterläuft. Das Laufwerk hatte danach wieder einen funktionierenden Service-Bereich, der Benutzerbereich blieb unberührt, und die Daten ließen sich auslesen.
Was davon geblieben ist
Heute spielen diese Laufwerke kaum noch eine Rolle. Das Prinzip ist aber dasselbe geblieben: Bei Firmware-Schäden darf man nichts starten, was das Laufwerk selbst „reparieren“ lässt, ohne genau zu wissen, was es danach tut. Werksroutinen wie Selbstscan, Neuformatierung oder das Neuberechnen der Übersetzungstabelle können Daten zerstören, die eigentlich noch da sind.
Die technischen Daten aller Modelle stehen in unserer Festplattendatenbank: Maxtor DiamondMax Plus 9 und Maxtor DiamondMax Plus 8.
Sie haben ein Laufwerk, das sich mit falschem Namen oder falscher Kapazität meldet? Rufen Sie uns an unter 030-44041476 oder beschreiben Sie den Fall über das Anfrageformular.