Glossar
Formatierung: was beim Formatieren passiert und wann Daten noch zu retten sind
Roland Block, Laborleiter ·
Formatieren heißt, einen Datenträger für die Benutzung vorzubereiten. Dabei wird ein Dateisystem angelegt, also die Verwaltungsstruktur, in der steht, welche Datei wo liegt. Für die Datenrettung ist entscheidend, welche Art von Formatierung stattgefunden hat.
Drei Ebenen
Low-Level-Formatierung. Bei alten Festplatten (MFM, RLL, frühe IDE) und Disketten legte die Low-Level-Formatierung die Spuren und Sektoren physisch an. Bei heutigen Festplatten macht das nur der Hersteller im Werk, zusammen mit den Servospuren. Programme, die sich „Low-Level-Format“ nennen, schreiben in Wirklichkeit den ganzen Datenträger mit Nullen voll. Danach sind die Daten nicht mehr zu retten.
Partitionierung. Die Partitionstabelle (MBR oder GPT) legt fest, welche Bereiche des Datenträgers wofür genutzt werden. Eine gelöschte oder neu angelegte Partitionstabelle lässt sich oft rekonstruieren, weil die Daten selbst unberührt bleiben.
Formatierung des Dateisystems (High-Level). Hier wird in einer Partition ein neues, leeres Dateisystem angelegt (FAT, exFAT, NTFS, ext4, HFS+, APFS und andere).
Schnell oder vollständig?
| Art | Was passiert | Daten danach |
|---|---|---|
| Schnellformatierung | Nur die Verwaltungsstrukturen werden neu geschrieben | meist zum großen Teil zu retten |
| Vollständige Formatierung (Windows XP und älter) | Verwaltungsstrukturen neu, Oberfläche wird nur gelesen und geprüft | meist zum großen Teil zu retten |
| Vollständige Formatierung (ab Windows Vista) | Zusätzlich wird jeder Sektor mit Nullen überschrieben | nicht zu retten |
| Formatieren einer SSD | Das System meldet alle Blöcke als frei (TRIM), der Controller löscht sie | in der Regel nicht zu retten |
| Formatieren in Kamera oder Handy | meist Schnellformatierung | oft zu retten, wenn danach nichts gespeichert wurde |
Wie Daten nach dem Formatieren gerettet werden
Nach einer Schnellformatierung stehen die alten Daten noch auf dem Datenträger. Es fehlt nur das Verzeichnis. Zur Rettung durchsucht man den gesamten Datenträger nach Resten des alten Dateisystems (zum Beispiel nach der alten NTFS-Masterdateitabelle) und nach Dateisignaturen. Je weniger seitdem geschrieben wurde, desto besser.
Häufige Fehler, die die Rettung verschlechtern:
- Den formatierten Datenträger weiter benutzen oder ein neues Betriebssystem installieren.
- Ein Rettungsprogramm auf demselben Datenträger installieren oder gerettete Dateien dorthin speichern.
- Den Datenträger „sicherheitshalber“ noch einmal vollständig formatieren.
Wurde ein Laufwerk versehentlich formatiert, sollte es sofort vom Strom getrennt werden. Programme für den Eigenversuch nennt unsere Übersicht Datenrettung mit Software. Für Datenträger mit technischem Defekt oder wenn es um wichtige Daten geht: Fall einreichen.